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Keine "Nette Toilette" für Griesheim

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Die Stadt sollte für öffentliche Toiletten sorgen

Auch mit ihrem dritten Antrag zum Haushalt scheiterte die SPD-Fraktion in der Stadtverordnetenversammlung im Dezember an der Mehrheit der Kooperationsfraktionen: Die SPD-Fraktion hatte vorgeschlagen, mit einem kleinen Budget in Höhe von nicht einmal 8.000€ jährlich das Projekt „Nette Toilette“ einzuführen, das bereits heute in 230 Städten der Bundesrepublik umgesetzt wird.

„Ziel unseres Antrages war es, mehr öffentliche Toiletten in Griesheim anzubieten. Zur Zeit haben wir nur drei öffentliche Toiletten in der Innenstadt auf einer Distanz von ca. 2 km, wobei eine davon – an der Wagenhalle - nur barrierefrei und mit Euro-Schlüssel zugänglich ist.“, begründete Karin Kümmerlein, stellvertretende Vorsitzende im Ausschuss für Jugend, Soziales, Kultur und Sport (JSKS) den Antrag. „Und das ist für eine große Flächenstadt wie Griesheim und für eine lebendige Innenstadt einfach zu wenig.“

Mit dem Projekt „Nette Toilette“ sollten Gewerbetreibende, Einzelhändler oder Gastronomen aufgefordert werden, ihre Toiletten für die Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen. Dies wird dann auch durch einen Aufkleber an der Tür oder im Schaufenster kenntlich gemacht, so dass Vorbeigehende das erkennen können.

Die Stadt solle hierbei eine Mittlerfunktion übernehmen, um Betriebe und Gaststätten für die Teilnahme zu gewinnen und könnte auch einen kleinen Zuschuss für die teilnehmenden Betriebe bezahlen – eine Art Aufwandsentschädigung für zusätzliche Reinigung.

Die Vorteile liegen für Kümmerlein auf der Hand: „Bürger und Bürgerinnen erhalten mehr öffentlich zugängliche Toiletten im Stadtbereich. Man muss nicht zwanghaft irgendwo einen Kaffee trinken, um die Toilette zu benutzen, sondern kann ganz offen fragen. Insbesondere für ältere Menschen, Eltern mit Kindern oder Schwangere ist dies ein deutlicher Vorteil und fördert die Mobilität; Lebensqualität und sicherlich auch die Bereitschaft, sich in der Innenstadt aufzuhalten und einen Einkaufsbummel zu planen.“

Umgekehrt haben aber auch die teilnehmenden Betriebe Vorteile durch dieses Projekt, denn der „besondere Service“ bringe vielleicht auch neue Kunden und fördere das Ansehen.

Bei öffentlichen Toiletten gebe es oft das Problem der Verunreinigung oder des Vandalismus - eben weil sie unbeaufsichtigt sind. Genau dies wird aber durch das Projekt „Nette Toilette“ verhindert, weil ja in den Geschäften oder Gaststätten immer jemand vor Ort ist. So habe am Ende auch die Stadt einen Vorteil, weil sie mit einem geringen finanziellen Aufwand eine größere Anzahl öffentlicher Toiletten zur Verfügung stellen könnte.

Insgesamt nehmen bundesweit über 230 Städte an diesem Projekt teil – und damit hat das Logo der „Netten Toilette“ auch schon einen großen Bekanntheitsgrad erreicht.

Leider wurden die Argumente zur Einführung der „Netten Toilette“ von den Kooperationsfraktionen nicht unterstützt. Als Gegenargument wurde genannt, dass es keine kommunale Aufgabe sei, für den öffentlichen Zugang zu den Toilettenräumen bei den Einzelhändlern zu werben. Außerdem gebe es ja auch noch eine weitere Toilette an der Lutherkirche und am Friedhof. Und der Bürgermeister sah auch nicht ein, warum er für die Nutzungsrechte eines Logos Geld bezahlen solle!

„Wenn wir die Attraktivität unserer Innenstadt erhalten und verbessern wollen, dann sehen wir es auch als eine städtische Aufgabe an, sich darum zu kümmern, dass es ausreichend öffentliche Toiletten im Stadtgebiet gibt,“ erklärt Fraktionsvorsitzende Ingrid Zimmermann. „und das hat die Stadt – im Rahmen ihrer Möglichkeiten – auch immer getan.“

Aber wie wir alle wissen, sei das nicht immer einfach: manchmal fehlten die Räumlichkeiten oder Vandalismus und Reinigung verursachten hohe Kosten! Mit diesem Projekt „Nette Toilette“ könnte ein guter Service für die Bürger erreicht werden bei gleichzeitig niedrigen Kosten für die Stadt und einem Imagegewinn für die freundlichen Unternehmen, die ihre Toiletten für die Öffentlichkeit zur Verfügung stellen.

„Also eigentlich können alle Beteiligten nur davon profitieren“, schließt Zimmermann. „Deshalb ist es für uns absolut unverständlich, warum die Kooperation dieses Projekt rundheraus abgelehnt hat.“